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Symphonic Rock in Teamarbeit

nmz Ausgabe: Februar / März 1994

Foto: Thoma Ollendorf

Bei der Probearbeit zu "Symphonic Rock"

Musikschule auf neuen Wegen

von PETER KORN Anne Ledig war es vorbehalten, den furiosen Schlußpunkt des Programms zu setzen: "Music was my first love", ließ die stimmgewaltige Sängerin rund 700 faszinierte Zuhörer in der Hildener Stadthalle wissen. "Musik war meine erste Liebe" - die Melodie dieses größten (und einzigen) Hits, den der englische Komponist John Miles je verzeichnen durfte, klang den Mitwirkenden des "Symphonic-Rock-Konzertes" noch in den Ohren, als sie ihren geradezu unbeschreiblichen Erfolg hinter der Bühne längst ausgelassen feierten.

Zuvor hatten sie dem Publikum im restlos ausverkauften Saal freilich ein Klangerlebnis beschert, das nicht weniger intensive Reaktionen hervorrief: Wenn hunderte von Menschen verschiedenster Altersgruppen urplötzlich geschlossen von den Sitzen aufspringen, um minutenlang Standing Ovations zu bringen und die gesamte Halle in ein Tollhaus verwandeln, entsteht eine Atmosphäre, die im Nachhinein nur schwer in Worte zu fassen ist.

Versuchen wir's trotzdem: Rund 100 Musiker auf der Bühne, die meisten davon Mitglieder des Sinfonieorchesters der Städtischen Musikschule Hilden, dazu eine professionelle Rockband, Sound- und Beleuchtungstechnik vom Feinsten sowie als Krönung eine ganze Schar erstklassiger Sänger - dies waren die Eckpfeiler eines Rockspektakels, mit dem sich der Initiator Johannes Strzyzewski in seiner Heimatstadt zweifellos ein Denkmal gesetzt haben dürfte. Sein Kollege Holger Ellwanger, Musikschulleiter Karl Hentschel, überhaupt alle Beteiligten des ehrgeizigen Projektes, hatten an diesem Monument freilich kräftig mitgemauert.
Ein halbes Jahr Vorbereitungszeit mit über 100 Stunden Probenarbeit sowie 1000 handgeschriebenen Blättern Partitur war erforderlich, um dem Experiment, symphonische Orchestermusik mit bekannten U-Musik-Titeln zu verschmelzen, zum Erfolg zu verhelfen. Die Idee dazu hatte Strzyzewski, der an der Hildener Musikschule den Fachbereich Rock und Pop leitet, indes schon Jahre zuvor. Immerhin war der 36jährige vor seinem Studium an der Düsseldorfer Robert-Schumann-Hochschule bereits als Studio-Musiker aktiv, spielte erfolgreich in professionellen Rockbands. Versuche im kleinen Rahmen (Rockduo plus Streichquartett) hatte es denn auch schon einige gegeben, doch nachdem die Musikschule Hilden ihre Mitarbeit signalisiert hatte und mit dem Lions-Club auch noch ein kompetenter Sponsor gefunden werden konnte, entwickelte Strzyzewskis Traum eine Eigendynamik, die nicht mehr zu stoppen war.

Vierzehn Arrangements bekannter Rocktitel wie "The show must go on" (Queen), "Let it be" (Beatles), "Moonlight shadow" (Mike Oldfield) oder "Don't let the sun go down on me" (Elton John) schrieb der "Organisationschef" innerhalb kürzester Zeit - oft auch in Nachtarbeit. Ganz zu schweigen von der Aufgabe, geeignete Musiker und Sänger für das musikalische Experiment auszusuchen. Doch auch die Orchesterdirigenten Karl Hentschel und Holger Ellwänger hatten es nicht leicht. Wo klingt die Oboe am schönsten? Wie können wir die Trompete am effektivsten einsetzen? Immer wieder galt es, sich mit Fragen dieser Art auseinanderzusetzen.

Zu allem Überfluß verliefen die ersten Teilproben auch noch alles andere als vielversprechend. Warum werden bestimmte Phrasen bis zur Ermüdung wiederholt? Was soll diese oder jene Passage überhaupt aussagen? Die (im Gegensatz zur Klassik) teilweise sehr unterschiedlichen und oft nur schwer nachvollziehbaren Anforderungen an den Orchesterapparät bereiteten den Schülern zu Beginn doch einige Anpassungsschwierigkeiten. Der knüppelharte Probenzeitplan - zwei Arrangements pro Woche, dazu mehrmals bis zu sieben Stunden konzentrierter Arbeit zusätzlich zum normalen Schulunterricht - kam erschwerend hinzu.

"In dieser Phase habe ich mich immer wieder bemüht zu vermitteln, daß wir als Musikschule schließlich intensiv an dem Projekt beteiligt sind und ich unseren guten Ruf bestimmt nicht leichtfertig aufs Spiel setzen würde", erinnert sich Karl Hentschel an seine Versuche, das Orchester zu motivieren. Der Durchbruch gelang in den Gesamtproben: "Als Band, Orchester und Sänger plötzlich erlebten, was sie als Team aus den einzelnen Musiktiteln alles herausholen können, sprang der Funke über", so der Musikschulleiter.

Die faszinierende Aufführung ließ schließlich alle Strapazen vergessen: Das packende Zusammenspiel jagte den Zuhörern immer wieder die berühmte "Gänsehaut" über den Rücken. Und erst die Sänger: Sie gaben dem Konzert die richtige Dramaturgie. Erik von Praznovsky machte als hinreißende Udo-Lindenberg-Ausgabe den Anfang. Bettina Krause, Stefan Kürten, Beate Gappa, Mickey Neher oder Anne Ledig standen ihm in nichts nach. Eine jedoch übertraf sie alle: Maria Sidiropoulos, Eigengewächs der Hildener Musikschule, lieferte als Kate Bush eine Vorstellung ab, wie sie die englische Kultsängerin selbst nicht perfekter hätte erreichen können. Die Filmmusik "Somewhere out there" mit einer von Holger Ellwanger komponierten Ouvertüre zeigte schließlich noch einmal alle Möglichkeiten auf, die einem Orchester auch im Rockbereich zur Verfügung stehen.

Der Riesenerfolg der Veranstaltung hinterließ bei den Musikschülern ihre Spuren. "Ich hätte nie gedacht, daß das so ein tolles Erlebnis wird", zeigte sich die 20jährige Geigerin Sandra Steinhoff begeistert. Und der 32jährige Diplom-Ingenieur Gerrit Volmer, der dem Musikschulorchester seit nunmehr 24 Jahren die Treue hält, gestand unmittelbar nach dem Konzert: "Ich fühle mich wie nach einem Waldlauf - völlig erschöpft und doch topfit. Der Jubel des Publikums ging richtig unter die Haut."

So wurde "das größte und aufwendigste Popkonzert, das die Stadt Hilden je gesehen hat" (Ankündigungstext) schließlich zu einer beeindruckenden Demonstration davon, was sich mit Teamarbeit alles erreichen läßt. Für Johannes Strzyzewski und seine Mitstreiter war es zweifellos die Verwirklichung eines Wunschtraumes - für die Musikschule jedoch auch eine Demonstration der eigenen Leistungsfähigkeit, die sich jeder "sparfreudige" Kommunalpolitiker ins Stammbuch schreiben sollte.

Stehende Ovationen für „Sinfonic-Rock" Presse