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„Es ist immer wieder ein kleines Wunder"

Wochenendjournal in den GN vom 17.11.2007

Mit dem „Sinfonic Rock Ensemble" trifft sich einmal jährlich das größte Orchester der Region

Cello spielen kann eine verdammt einsame Sache sein vor allem dann, wenn man daheim alleine übt und sich Note um Note durch die Hausaufgaben seines Musiklehrers ackern muss. Doch wenn die 16 Jahre alte Greta aus Neuenhaus heute Abend bei der „Sinfonic Rock Night 007 Streng geheim" der Musikschule Nordhorn im „Kulturzentrum Alte Weberei" ihr Cello zu einigen Titelsongs aus James Bond-Filmen streicht, dann hat sie vor allem eins: „Spaß!" In einem Orchester zu spielen, das ist für das junge Mädchen mit dem großen Instrument eigentlich das allerschönste am Musizieren und eine willkommene Abwechslung im Unterrichtsalltag der Musikschule. Und dabei führt sie nicht in irgend einem Orchester den Bogen über ihr hochglanzpoliertes Violoncello, sondern in einem ganz besonderen Klangkörper: Das „Sinfonic Rock Ensemble" ist in diesen Tagen mit seinen rund 170 Musikerinnen und Musikern das mit Abstand größte Orchester, das es weit und breit gibt. Und: Es ist vom Fagott bis zur E-Gitarre, von der Trompete bis zum E-Bass und von der Geige bis zum Keyboard in seiner Instrumentierung ebenso einmalig wie in der Zusammensetzung aus jungen deutschen und niederländischen Musikern, aus vielen Schülern und nur wenigen Profis und Lehrern.

Nur allein für die alljährlichen sinfonischen Rocknächte wird dieses Orchester aus verschiedenen Ensembles der Musikschule, aus den 60 Sängerinnen und Sängern vom „JaPoRoGo-Chor" sowie einer Reihe von Rockmusikern und Gesangssolisten gebildet. Und wenn am Sonnabend der letzte Vorhang gefallen ist, dann geht alles wieder auseinander: Für die Percussionisten, Bläser, Rock- und Popmusiker sowie die jungen Sinfoniker der Musikschule beginnt wieder der ganz normale Musikschulalltag mit Unterricht und Üben und auch der „JaPoRoGo-Chor" sowie die Instrumental- und Gesangssolisten gehen ihre eigene Wege bis im kommenden Jahr vielleicht erneut eine Einladung der Musikschule zur großen 10. Jubiläums-Rock-Night eintrudelt.

„Es ist immer wieder ein kleines Wunder", meint der niederländische Musikschullehrer Ivo Weijmans zum musikalischen Niveau, das vom „Sinfonic Rock Ensemble" mittlerweile erreicht wird. Der stark auf sinfonische Popularmusik ausgerichtete Komponist und Arrangeur Weijmans ist neben dem „Klassiker" Michael Gantke, der ansonsten das gemeinsame Sinfonieorchester der Musikschule Nordhorn und Steinfurt leitet, einer der Dirigenten des Großensembles.

Dabei lässt sich die einmal erreichte Qualität des Orchesters jedoch nicht jedes Jahr automatisch wieder abrufen: Durch das Kommen und Gehen der verschiedenen Jahrgänge an der Musikschule haben es die Orchesterleiter immer wieder auch mit neuen Gesichtern zu tun. Somit ist das „Sinfonic Rock Ensemble" in jedem Jahr für die Leiter stets eine neue „Wundertüte" und immer wieder eine neue große Herausforderung. Die Stärken und Schwächen des Ensembles kennt vor der ersten Probe niemand: Waren etwa im vergangenen Jahr die Blechbläser besonders stark und die Flöten eher etwas schwach, so kann sich das im nächsten Jahr mit einer neuen Besetzung ins glatte Gegenteil verkehren. Die wechselnden Musiker erschweren dabei auch die Arbeit der Arrangeure, zu denen neben Weijmans und Gantke auch der Muiklehrer Erik Ekkelboom und Musikschulleiter Johannes Strzyzewski zählen. Strzyzewski macht diese Erfahrung in diesem Jahr bei seinem Arrangement zu „Live and Let Die" („Leben und sterben lassen"), des von Paul McCartney 1973 komponierten und gesungenen Titelsongs zum ersten James-Bond-Streifen mit Roger Moore: Er hatte das Stück auch mit Schwerpunkt für das 2006 auffallend starke Blech arrangiert, und nun hat er es plötzlich mit einer starken Gruppe aus Querflöten zu tun. „Hätte ich das gewusst, wäre das Arrangement etwas anders ausgefallen", stellt er erstaunt bei der ersten Probe des „Sinfonic Rock Ensembles" fest.

Trotzdem lassen sich die musikalischen Hürden wechselnder Besetzungen von Dirigenten und Musikern in der Regel meistern. Zum einen kann das Orchester durchweg auf gut ausgebildete Amateure bauen, berichtet Weijmans. Zum anderen hat sich die Herangehensweise an die einzelnen Stücke bewährt: Bevor sich das große „Sinfonic Rock Ensemble" zur ersten Probe im Nordhorner Konzert- und Theatersaal trifft, übt erst einmal jeder Musiker für sich allein: Mit Noten und mithilfe von Midi- und Audio-Files, die ihm einen ersten einfachen, aber hörbaren Eindruck davon geben, wie das Stück in der Gesamtheit einmal klingen soll. Dieses Material erhalten die Musikschüler vor den Sommerferien zum Üben. Sitzen die Noten, dann setzen sich erst einmal die einzelnen Ensembles der Musikschule Kammerblas-, Sinfonie- und Percussionsorchester zu getrennten Proben zusammen.

Erst danach wird das große „Sinfonic Rock Ensemble" modulartig aus den einzelnen Ensembles zum Gesamtorchester zusammengesetzt. Takt um Takt, Satz um Satz, Stück um Stück vollendet sich hier dann unter dem Dirigat Weijmans und Gantkes das gesamte Programm der „Sinfonic Rock Night". Doch dabei müssen 14 Stunden Gesamtproben reichen, um das „Sinfonic Rock Ensemble" auf Kurs zu bringen. „Es ist immer ein Kampf gegen die Zeit", berichtet Weijmans nicht zuletzt, weil „sonst auch einige Eltern auf der Matte stehen". So stellen für ihn auch nicht die musikalischen Proben ein Problem dar, sondern eher die Organisation, um möglichst alle 170 Musiker um das Dirigenten-Pult zu versammeln. Schließlich müssen einige der 14 bis 20 Jahre alten Musiker aus dem Kreis Steinfurt, aus den Niederlanden oder aus der Grafschaft weite Wege zur Abendprobe zurücklegen.

Erstmals vor zwei Wochen spielte das Ensemble 2007 im KTS zusammen. Mit viel Ruhe und Gelassenheit gingen dabei die erfahrenen Dirigenten zur Sache: „Ab F, Takt 105", sagt Gantke bei der Probe eines Titels: „Zwei, drei, vier, eins, zwei" und der neu zusammengesetzte Musikapparat setzt sich anfangs noch etwas schleppend in Bewegung. „Die Streicher mehr marcato bitte", ruft der Dirigent, „die Saxophone etwa lauter... jetzt Vorsicht! Tempowechsel! Sehr gut, aber das Ganze bitte ab 105 noch einmal, und...zwei, drei, vier, eins, zwei." Was anfangs für außen stehende Zuhörer noch schief und sperrig klingt, das ist schon bald ausgefeilt und geglättet, die Fortschritte bei der Probenarbeit sind groß und für alle hörbar. Und alle wissen nach den Erfahrungen der früheren sinfonischen Rocknächte: Bis zur Generalprobe wird man das Optimum aus den Möglichkeiten herausgeholt haben und im Konzert läuft dann irgendwie alles sogar noch besser.

In dem großen Gesamtorchester treffen junge Musiker, die locker vom Blatt spielen können, auf Musikschüler, denen nichts in den Schoß fällt und die sich die einzelnen Sätze hart erarbeiten müssen. „Jeder soll so spielen, wie er es kann. Für manche, die technisch noch nicht so weit sind, ist das wirklich ein hartes Stück Arbeit", berichtet Weijmans und diesen „Kämpfern" gehört auch die stille Bewunderung des Dirigenten. „Der Mut, den diese Schüler aufbringen, ist beachtlich", sagt Weijmans aber jeden schließlich mit seinen Möglichkeiten zum Ziel des gemeinsamen Musizierens zu führen, das stellt für den Musiklehrer den eigentlichen pädagogischen Sinn der „Sinfonic Rock Night" dar. Denn bei dem größten und beliebtesten alljährlichen Konzertevent in der Grafschaft Bentheim, bei dem die 1300 Karten für die beiden Konzerte auch in diesem Jahr innerhalb weniger Stunden wieder ausverkauft waren und nach Schätzung Strzyzewskis insgesamt 2500 Tickets hätten verkauft werden können, steht nicht allein die gute Unterhaltung im Vordergrund. Mit der Großveranstaltung werden auch musikpädagogische Ziele verfolgt: Es geht um ein wachsendes Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein der jungen Musiker, um ihre Motivation und ihre Befähigung, gemeinsam zu spielen, dabei aufeinander konzentriert und rücksichtsvoll zu hören und ein Spielgefühl für das Orchester zu entwickeln.

All das hat die „Sinfonic Roch Night" nach den Erfahrungen Weijmans und Gantkes immer wieder bei vielen Musikschü

Streng geheim und heiß begehrt 3000 Notenblätter für ein Mega-Ensemble